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Rheumatoide Arthritis: Wenn die Gelenke betroffen sind – und das Denken mit

Rheumatoide Arthritis: Wenn die Gelenke betroffen sind – und das Denken mit
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Wenn die Gelenke betroffen sind – und das Denken mit: Rheumatoide Arthritis

Rheumatoide Arthritis: Wenn die Gelenke betroffen sind – und das Denken mit

Rheumatoide Arthritis (RA) verbinden wir in der Therapie vor allem mit Schmerzen, Schwellungen, Bewegungseinschränkungen und Funktionsverlust – besonders in den Händen.

Eine aktuelle große Kohortenstudie aus Südkorea zeigt jedoch, dass RA nicht nur die Gelenke betrifft:
Menschen mit RA haben ein messbar erhöhtes Risiko, im Verlauf eine kognitive Beeinträchtigung bis hin zu Demenz zu entwickeln.

Für Ergotherapeut:innen und Physiotherapeut:innen bedeutet das, dass die kognitive Leistungsfähigkeit stärker in den therapeutischen Fokus rücken sollte.

Worum ging es in der Studie?

Die Autor:innen wollten wissen, ob Patient:innen mit RA häufiger kognitive Störungen entwickeln als vergleichbare Personen ohne RA – und wie groß dieser Unterschied ist.

Kognitive Einschränkungen wurden dabei nicht nur im Sinne einer manifesten Demenz verstanden, sondern als Spektrum, das von milderen Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsproblemen bis zu diagnostizierter Alzheimer- oder vaskulärer Demenz reicht.

Wie wurde untersucht?

Diesen wurden 26.437 Personen ohne RA gegenübergestellt, die im Hinblick auf Alter, Geschlecht und Kalenderjahr passend ausgewählt wurden.

Bereits vorbestehende kognitive Störungen sowie früh auftretende kognitive Diagnosen kurz nach RA-Beginn wurden ausgeschlossen, ebenso Personen mit vorher diagnostizierter Depression oder Angststörung, um deren Einfluss zu reduzieren.

Alle Personen wurden ab dem sogenannten Indexdatum – bei RA-Patient:innen das Datum der RA-Diagnose – bis zur erstmaligen Diagnose einer kognitiven Beeinträchtigung oder bis Dezember 2022 beobachtet.

Die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug dabei rund neun Jahre in beiden Gruppen.

Kognitive Beeinträchtigung wurde über ärztliche Diagnosen nach ICD-10 definiert.

Dazu zählten Alzheimer-Demenz (F00, G30), vaskuläre Demenz (F01) und andere demenzielle oder kognitive Störungen (F02, F03, G31.00, F31.82, F06.7).

Zusätzlich wurden zahlreiche Begleiterkrankungen erfasst – etwa Bluthochdruck, Diabetes, Dyslipidämie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma, COPD – sowie der Charlson Comorbidity Index, der die Gesamtmorbidität abbildet.

In die statistischen Modelle gingen diese Variablen ein, um den Einfluss von Komorbiditäten und sozialer Faktoren (z. B. Einkommen) auf das Demenzrisiko zu berücksichtigen.

Was kam heraus?

Noch aussagekräftiger wird das Bild, wenn man andere Einflussfaktoren statistisch mitberücksichtigt.

In einem stratifizierten Fine–Gray-Modell, das Tod als konkurrierendes Ereignis behandelt und für Einkommen, Begleiterkrankungen und Gesamtmorbidität adjustiert, zeigten Patient:innen mit RA ein etwa 22 % höheres Risiko für das Auftreten einer kognitiven Beeinträchtigung im Vergleich zu den Kontrollpersonen (adjustiertes subdistribution Hazard Ratio 1,222).

Eine zusätzliche Sensitivitätsanalyse, in der kognitive Beeinträchtigung nur dann gezählt wurde, wenn mindestens zwei entsprechende Diagnosen dokumentiert waren, ergab ein sehr ähnliches Ergebnis.

Das spricht dafür, dass die Befunde robust sind und nicht nur auf zufällige oder einmalige Kodierungen zurückgehen.

Mögliche Ursachen: Warum ist die Kognition betroffen?

Auch Faktoren, die Therapeut:innen aus dem Alltag gut kennen, dürften eine Rolle spielen:
chronische Schmerzen, Schlafstörungen, Fatigue und affektive Symptome wie depressive Verstimmung wirken sich nachweislich ungünstig auf Aufmerksamkeit, Gedächtnis und exekutive Funktionen aus.

Interessanterweise sprechen frühere Studien eher dafür, dass RA-Medikamente – insbesondere TNF-Inhibitoren – das Risiko für Demenz nicht erhöhen und möglicherweise sogar eher neutral oder leicht protektiv wirken.

Es ist daher eher wahrscheinlich, dass die erhöhte Rate kognitiver Beeinträchtigungen in dieser Studie primär mit der Erkrankung selbst und ihrer systemischen Entzündungsaktivität zusammenhängt, nicht mit der medikamentösen Therapie.

Was bedeutet das für die Ergotherapie?

Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, die Therapieplanung auf die vorhandenen kognitiven Ressourcen abzustimmen.

Klar strukturierte, gut nachvollziehbare Übungsprogramme mit geringer Komplexität, visuellen Hilfsmitteln oder schriftlichen Schritt-für-Schritt-Anleitungen können Patient:innen helfen, Inhalte besser zu erinnern und selbstständig umzusetzen.

In alltagsorientierten Interventionen bietet sich an, exekutive Funktionen – etwa Planen, Priorisieren und Problemlösen – gezielt zu integrieren, anstatt ausschließlich motorische oder sensomotorische Ziele zu verfolgen.

Wichtig ist auch die Beratung von Patient:innen und Angehörigen: Wie lassen sich Alltag und Gelenkschutz so organisieren, dass geistige Überforderung vermieden und gleichzeitig möglichst viel Selbstständigkeit erhalten bleibt?

Was bedeutet das für die Physiotherapie?

Für die praktische Arbeit bedeutet das, dass Übungsprogramme möglichst einfach, wiederholbar und gut einprägsam gestaltet werden sollten.

Routinen – etwa immer zur gleichen Tageszeit üben, die gleiche Reihenfolge einhalten – unterstützen das Lernen und Erinnern.

Visuelle Hilfen wie Fotos oder kurze Videos, deutlich formulierte Übungspläne und ggf. die Einbindung von Angehörigen oder digitalen Erinnerungsfunktionen können helfen, die Adhärenz zu verbessern.

Darüber hinaus spielt der Sicherheitsaspekt eine Rolle: Kognitive Einschränkungen erhöhen das Risiko für Stürze, Fehlbelastungen und den falschen Umgang mit Hilfsmitteln.

Entsprechend sollten Gang- und Alltagssituationen, Transfers und die Nutzung von Schienen oder anderen Hilfsmitteln wiederholt praktisch geübt und regelmäßig überprüft werden.

Interprofessionelles Arbeiten: RA ganzheitlich sehen

Die Ergebnisse der Studie machen deutlich, dass RA als Systemerkrankung verstanden werden muss, die weit über die Gelenkebene hinausreicht.

Für die Versorgung bedeutet das, dass Rheumatolog:innen, Hausärzt:innen, Ergo- und Physiotherapeut:innen sowie ggf. Neuropsycholog:innen oder Neurolog:innen enger zusammenarbeiten sollten.

Auffälligkeiten, die in der Therapie beobachtet werden – etwa zunehmende Vergesslichkeit, Desorientierung in Abläufen oder deutliche Probleme bei der Umsetzung von Therapieplänen – sollten aktiv an ärztliche Kolleg:innen zurückgemeldet werden.

Fazit für die Praxis

Für Ergotherapeut:innen und Physiotherapeut:innen bedeutet das, dass kognitive Aspekte fester Bestandteil von Befund, Planung und Therapie sein sollten.

Eine konsequente Anpassung der Interventionen an kognitive Ressourcen und eine gute interprofessionelle Kommunikation können dazu beitragen, dass Patient:innen ihre Behandlung besser verstehen, erinnern und im Alltag umsetzen – und damit trotz RA möglichst lange selbstständig und handlungsfähig bleiben.

Quelle:

Kwon OC, Lee HS, Yang HJ, Baek W. Cognitive impairment risk in patients with rheumatoid arthritis: a population-based cohort study. RMD Open. 2026;12(2):e006685. doi:10.1136/rmdopen-2025-006685.

Online verfügbar unter: https://rmdopen.bmj.com/content/12/2/e006685

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