Apparative Maßnahmen in der Handtherapie – Evidenz, Chancen und Grenzen
Laser, Ultraschall, Elektrotherapie und Robotik können die Handtherapie sinnvoll ergänzen. Entscheidend sind eine realistische Einschätzung der Evidenz, die passende Indikation und die Einbettung in ein aktives, befundorientiertes Behandlungskonzept.
Der Fachartikel „Apparative Maßnahmen in der Handtherapie – Evidenz, Chancen und Grenzen“ von Katja Karasev und Andrea Auerswald gibt einen wissenschaftlich fundierten Überblick über ausgewählte physikalische und technische Therapiemodalitäten in der Handrehabilitation.
Im Fokus stehen die Lasertherapie, der therapeutische Ultraschall, elektrotherapeutische Verfahren einschließlich EMG-gesteuerter Biofeedback- und Elektrostimulation sowie die Robotiktherapie. Der Beitrag ordnet Wirkmechanismen, Studienlage, praktische Einsatzmöglichkeiten und wirtschaftliche Aspekte ein.
Dabei wird deutlich: Apparative Maßnahmen sind in der Regel keine eigenständige Alternative zur aktiven Handtherapie. Sie können jedoch – indikationsbezogen und fachgerecht eingesetzt – die Behandlung ergänzen, Therapieziele unterstützen und zusätzliche Übungs- sowie Behandlungsgelegenheiten schaffen.
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Der Fachartikel „Apparative Maßnahmen in der Handtherapie – Evidenz, Chancen und Grenzen“ von Katja Karasev und Andrea Auerswald wurde erstmals in Praxis Handreha, 2026; 7: 153–162, veröffentlicht. DOI: 10.1055/a-2758-9196.
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Worum geht es in diesem Fachartikel
Apparative Maßnahmen gehören in vielen handtherapeutischen Praxen zum Behandlungsalltag. Laser, therapeutischer Ultraschall, Elektrotherapie oder robotikgestützte Systeme versprechen unter anderem Schmerzlinderung, Unterstützung von Heilungsprozessen, Aktivierung geschwächter Muskulatur und ein intensives motorisches Training.
Der Artikel beleuchtet, welche Wirkmechanismen hinter den einzelnen Verfahren stehen und wie die aktuelle Evidenzlage einzuordnen ist. Besonders berücksichtigt werden häufige handtherapeutische Indikationen wie das Karpaltunnelsyndrom, Rhizarthrose, Tendinopathien, periphere Nervenverletzungen und neurologisch bedingte Paresen.
Die Lasertherapie kann bei einzelnen Indikationen, etwa im kurzfristigen Verlauf beim Karpaltunnelsyndrom oder bei partiellen peripheren Nervenläsionen, funktionelle Verbesserungen unterstützen. Für eine überlegene Schmerzreduktion gegenüber Placebo oder anderen konservativen Maßnahmen ist die Evidenz jedoch nicht durchgängig gesichert. Auch beim therapeutischen Ultraschall zeigen sich teils positive Veränderungen physiologischer Parameter. Ein eindeutiger klinischer Vorteil für Schmerz, Greifkraft oder Funktion lässt sich in hochwertigen Übersichtsarbeiten jedoch häufig nicht belegen.
Elektrotherapeutische Verfahren werden differenziert betrachtet: Während TENS vor allem zur Schmerzmodulation eingesetzt wird, können neuromuskuläre und funktionelle Elektrostimulation sowie EMG-getriggerte Verfahren bei bestimmten neurologischen und peripheren nervalen Schädigungen eine aktive Therapie sinnvoll ergänzen. Entscheidend sind dabei die korrekte Indikation, geeignete Reizparameter und die Beachtung von Kontraindikationen.
Die Robotiktherapie ermöglicht insbesondere bei schweren Armparesen ein wiederholungsintensives, technisch unterstütztes Training. Sie kann als ergänzender Baustein der Neurorehabilitation sinnvoll sein, ist jedoch mit hohen Anschaffungskosten verbunden und ersetzt nicht die therapeutische Begleitung.
Ein weiterer Schwerpunkt des Beitrags liegt auf wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Erläutert werden beispielhaft die Abrechnung von Ultraschall- und Elektrotherapie im Rahmen physiotherapeutischer Heilmittel sowie die Abgrenzung zur Hilfsmittelversorgung, etwa bei EMG- und FES-Systemen. Für Lasertherapie besteht im bundesweiten GKV-Physiotherapievertrag keine eigene Abrechnungsposition.
Das Fazit: Apparative Maßnahmen sollten nicht isoliert, sondern immer als Teil einer individuellen, zielorientierten und aktiven Handtherapie eingesetzt werden. Fundierte Kenntnisse zu Evidenz, Indikationen, Anwendung, Abrechnung und rechtlichen Anforderungen sind dafür unerlässlich.
Andrea Auerswald
ist Dozentin der Akademie für Handrehabilitation (AFH).
Sie bringt ihre Erfahrung aus therapeutischer Praxis, Rehabilitation und Fortbildung in die handtherapeutische Ausbildung ein und unterstützt die Vermittlung praxisrelevanter Inhalte für die Weiterbildung Handtherapie.
Katja Karasev
ist Inhaberin der Praxis Physio Karasev – Praxis für Physiotherapie und Handrehabilitation.
Als mehrjährig aktives Mitglied der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Handtherapie e. V. (DAHTH) setzt sie sich für die Erforschung, Verbreitung und Qualitätssicherung der Handtherapie ein.
