Infektionen der Hand: Formen, Befund und Therapie
Der Artikel „Infektionen der Hand“ von Priv.-Doz. Dr. med. Jörg Carls erläutert Ursachen, Erreger, klinische Diagnostik und Therapie akuter eitriger Infektionen an Weichteilen, Sehnen und Gelenken der Hand.
Formen von Infektionen der Hand
Die Formen von Handinfektionen reichen von oberflächlichen Hautinfektionen bis hin zu tiefen Sehnen-, Gelenk- oder Knochenbeteiligungen und unterscheiden sich deutlich in Diagnostik und Therapie.
Infektionen entstehen meist durch das Eindringen von Keimen über Verletzungen, unsterile Instrumente oder hämatogene Streuung.
Prädisponierende Faktoren sind Bagatellverletzungen, Diabetes, Immunsuppression, lokale Steroidinjektionen oder intravenöser Drogenabusus.
Häufigster Erreger ist Staphylococcus aureus (48 %), gefolgt von Streptokokken (15 %), Anaerobiern (13 %) und Staphylococcus epidermidis (9 %); Mischinfektionen treten in 24 % der Fälle auf.
Typische klinische Zeichen einer eitrigen Arthritis sind pochender Schmerz, Gelenkschwellung, Druckempfindlichkeit, Beugestellung und Fieber.
Bei Weichteilinfekten wie Sehnenscheidenphlegmonen oder subaponeurotischen Infektionen kommt es zu massiven Schwellungen, Schmerzen bei passiver Streckung und rascher Ausbreitung bis in den Unterarm.
Die Diagnostik stützt sich auf klinische Befunde, Laborparameter (Leukozytose, CRP, BSG) und ggf. Bildgebung, wobei Röntgenveränderungen erst nach drei Wochen sichtbar werden.
Therapeutisch ist im Frühstadium eine parenterale Antibiotikatherapie mit Cephalosporinen oder Clindamycin indiziert.
Bei fortschreitender Infektion muss eine operative Sanierung mit Entlastung, Drainage und Entfernung nekrotischen Gewebes erfolgen.
In schweren Fällen kann eine Arthrodese oder Amputation notwendig sein.
Carls betont, dass frühzeitige Erkennung, mikrobiologische Diagnostik und konsequente Therapie entscheidend sind, um dauerhafte Funktionseinbußen oder Gelenkzerstörung zu vermeiden.
