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Biomechanik der Dorsalaponeurose der Finger

Die Biomechanik der Dorsalaponeurose spielt eine zentrale Rolle für die Funktion der Fingerstreckung und das koordinierte Zusammenspiel der Strecksehnen.

Der Artikel ordnet die anatomischen Strukturen so ein, dass klar wird, wie die Kraftübertragung im Streckapparat funktioniert – und warum Störungen, etwa nach degenerativen, rheumatoiden oder traumatischen Veränderungen, typische Deformitäten begünstigen können.

Ein Artikel von Rainer Zumhasch aus der Fachzeitschrift "praxis ergotherapie" Juni/2005.

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Hintergrund und Kernaussagen des Fachartikels

Streckaponeurose: extrinsische Sehnen und Kraftverteilung
Die Streckaponeurose der Finger entsteht aus den Sehnenanteilen der extrinsischen Strecker, besonders des M. extensor digitorum communis, ergänzt durch weitere Strecksehnen. Am Handrücken fächern die Sehnen nach distal auf und strahlen in die dorsale Aponeurose der Finger ein. Im Bereich der Mittelhand sind die Sehnen über bindegewebige Verbindungen gekoppelt; ein wesentlicher stabilisierender Anteil wird als Connexus intertendinei beschrieben. Dieser Verbund beeinflusst die Führung und Kraftverteilung der Strecksehnen und wirkt Abweichungen der Fingerachse in der Streckbewegung entgegen.

Intrinsische Muskulatur: Stabilisation und Feinsteuerung
Zusätzliche Sehneneinstrahlungen aus intrinsischer Muskulatur verstärken die Aponeurose funktionell. Besonders hervorgehoben wird die Rolle der Mm. interossei und der Mm. lumbricales: Gemeinsam stabilisieren sie die Grundgelenke (II–V) und unterstützen die Balance zwischen Streck- und Beugemechanik.

Retinakuläres Bandsystem nach Landsmeer
Ein weiterer Schwerpunkt ist das retinakuläre Bandsystem: Das Lig. retinaculare obliquum koppelt als „dynamische Tenodese“ die Bewegung von Mittel- und Endgelenk. Dadurch wird bei Streckung im Mittelgelenk die Streckung im Endgelenk unterstützt; umgekehrt ist eine endgradige Beugung im Endgelenk funktionell an eine Beugung im Mittelgelenk gebunden. Dieses System wird als wesentliche Grundlage für den Faustschluss dargestellt und ist bekannt als Band von Landsmeer. Ergänzend stabilisiert das Lig. retinaculare transversum die Zügel des Systems und unterstützt die Zentrierung bei Flexion und Extension.

Tractus-System: Tractus intermedius und Tractus lateralis
Für die mechanische Stabilität der Finger wird die Aufteilung der Sehne in Tractus-Strukturen beschrieben: Der Tractus intermedius teilt sich proximal in mittige und laterale Faseranteile, die mit weiteren Strukturen verbunden sind. Aus der lateralen Komponente bildet sich – zusammen mit Anteilen der intrinsischen Muskulatur – der Tractus lateralis, der in die distalen Abschnitte weiterführt. Als distaler Ansatz wird die Pars terminalis an der Basis der Endphalanx beschrieben. Dieses Zusammenspiel trägt dazu bei, hohe Stabilität bei gleichzeitig großer Beweglichkeit zu ermöglichen und ungünstige Sehneneffekte (z. B. in Hyperextension) zu begrenzen.

Klinische Relevanz: typische Deformitäten
Aus dem beschriebenen System leiten sich typische klinische Bilder ab. Genannt werden insbesondere Knopflochdeformität und Mallet-Finger. Entscheidend ist dabei: Je nachdem, an welcher Stelle innerhalb des Streckapparats das Gleichgewicht gestört ist, entstehen charakteristische Fehlstellungen. Aufgrund der Komplexität sind therapeutische Vorgehensweisen häufig aufwendig und benötigen Zeit; eine vollständige Wiederherstellung physiologischer Verhältnisse ist nicht immer möglich.

Fazit
Der Artikel zeigt, wie eng der Streckapparat als System aus Sehnen, bindegewebigen Verbindungen, retinakulären Bändern und intrinsischer Muskulatur zusammenarbeitet. Wer anatomischer Aufbau und Biomechanik der Dorsalaponeurose sicher einordnet, kann Fehlstellungen besser erklären, Befunde klarer gewichten und Therapieziele gezielter ableiten.

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