Arthrose des distalen Radioulnargelenks (DRUG)
Die Arthrose des distalen Radioulnargelenks (DRUG) ist eine häufige Ursache für ulnarseitige Handgelenksschmerzen.
Der Fachartikel beschreibt, dass die Entstehung häufig auf einer gestörten Gelenkpassform beruht und dass neben angeborenen Faktoren vor allem Fehlheilungen nach Frakturen eine zentrale Rolle spielen.
Ziel dieses Überblicks ist es, Ursachen, diagnostische Schritte und Therapieoptionen strukturiert einzuordnen.
Ein Artikel von Priv.-Doz. Dr. med. Jörg Carls
Hintergrund und Kernaussagen des Fachartikels
Ursachen und Pathogenese
Als wesentliche Ursache wird die Inkongruenz der Gelenkflächen genannt. Diese kann angeboren sein (z. B. Formvarianten des Ulnakopfes oder Längendifferenzen der Unterarmknochen), durch konstitutionelle Laxität begünstigt werden oder im Rahmen bestimmter Deformitäten und Raumforderungen entstehen. Klinisch besonders bedeutsam sind posttraumatische Veränderungen: Jede Unterarmfraktur, die in Fehlstellung verheilt, kann die Gelenkbalance stören; intraartikuläre Frakturen mit Stufenbildung oder Knorpelschäden führen laut Artikel „zwangsläufig“ zu degenerativen Veränderungen. Auch Arthritiden können in eine Arthrose übergehen.
Für die Stabilität des DRUG sind mehrere Strukturen relevant, u. a. Anteile des TFCC, die Gelenkkapsel, Retinaculum extensorum, Membrana interossea und der M. pronator quadratus. Der Text betont, dass meist Verletzungen mehrerer Strukturen zusammenkommen müssen, damit es zu einer klinisch relevanten Instabilität kommt.
Klinik und Diagnostik
Typisch sind Bewegungs- und Belastungsschmerzen im ulnaren Anteil des Handgelenks, häufig mit sichtbarer Verbreiterung und ulnarseitiger Schwellung; das Ulnaköpfchen kann prominent sein. Palpatorisch kann lokaler Druckschmerz auffallen, teils mit positivem Klaviertastenphänomen (Piano-Key-Test). Eine vermehrte palmare Translation des Ulnaköpfchens sollte in Pronation, Neutralstellung und Supination im Seitenvergleich geprüft werden; ein positiver Test kann auf Bandläsionen am TFCC hinweisen. Zusätzlich kann eine manuelle Kompression des DRUG bei gleichzeitiger Bewegung Schmerzen oder Krepitationen provozieren (Hinweis auf Chondromalazie, Impingement oder Arthrose). Diese systematische Diagnostik bildet die Grundlage für die Therapieentscheidung.
Bildgebung
Das konventionelle Röntgen zeigt Stellung und arthrotische Veränderungen; eine Diastase/Instabilität lässt sich laut Artikel mit fest geschlossener Faust besser darstellen. Die CT liefert präzisere Informationen zum knöchernen Zustand der korrespondierenden Gelenkflächen. Die MRT kann Hinweise auf Knorpel- und TFCC-Zustand geben; für TFCC-Läsionen werden im Text hohe Spezifitätswerte beschrieben.
Konservative Therapie
Konservativ werden äußere Stabilisierung (z. B. Handgelenkmanschette) und antiphlogistische Maßnahmen genannt. Ergänzend können Physio- oder Ergotherapie muskuläre Dysbalancen adressieren; vegetative Maßnahmen sollen die Schmerzempfindlichkeit reduzieren. Gleichzeitig ordnet der Artikel den Erfolg konservativer Ansätze als begrenzt ein – Beweglichkeit lasse sich nur eingeschränkt verbessern.
Operative Therapieoptionen
Operativ werden mehrere Verfahren beschrieben. Eine Denervation nach Wilhelm kann schmerzleitende Fasern teilweise unterbrechen (Neurotomie bestimmter Nervenäste über dorsalen Zugang). Die Arthrodese des DRUG mit Segmentresektion nach Sauvé-Kapandji wird als Methode eingeordnet, bei der durch distale Ulnaresektion eine Nearthrose geschaffen wird, um die Umwendbewegung (Pronation/Supination) nicht vollständig aufzuheben; die Rolle des Ulnaköpfchens wird dabei kontrovers diskutiert. Als weitere Option wird die Darrach-Operation (Resektion des Ulnaköpfchens) genannt, insbesondere bei DRUG-Destruktion im Rahmen rheumatoider Arthritis; mögliche Nachteile sind Kraftverlust und Instabilität des „Ellenstumpfes“, wobei bei minimaler Resektion und sorgfältiger Weichteilbehandlung auch langfristig gute Ergebnisse beschrieben werden. Die Hemiresektionsarthroplastik nach Bowers erhält den Proc. styloideus ulnae samt ulnokarpalem Komplex und nutzt ein Interponat; in Bezug auf Kraft werden teils bessere Ergebnisse als nach Darrach erwähnt, während Darrach bei Schmerzlinderung im Vorteil sein kann. Schließlich wird die Hemialloarthroplastik (Ulnaköpfchen-Ersatz) angesprochen: Ältere Silikon-Spacer hätten sich nicht bewährt; neuere Implantatkonzepte werden erwähnt, bei insgesamt begrenzter Erfahrungslage.
Fazit
Die DRUG-Arthrose entsteht häufig durch Inkongruenz und posttraumatische Fehlstellungen. Eine saubere klinische Diagnostik mit ergänzender Bildgebung führt zur passenden Therapieentscheidung – von stabilisierenden, symptomorientierten Maßnahmen bis zu differenzierten operativen Verfahren je nach Ursache, Stabilität und Beschwerdebild.
