Antiulnadeviationsschiene: Definition, Indikation und Anfertigung
Die Antiulnadeviationsschiene wird bei Ulnardeviation eingesetzt, insbesondere bei rheumatoider Arthritis (RA).
Ziel der Antiulnadeviationsschiene ist es, die Fingerstellung zu korrigieren, Schmerzen zu reduzieren und die Handfunktion im Alltag zu verbessern.
Die Antiulnadeviationsschiene kommt vor allem bei rheumatoider Arthritis mit fortschreitender Ulnardeviation der Langfinger zum Einsatz.
Ein Artikel von Iris Wieters.
Definition und Indikation der Antiulnadeviationsschiene
Definition und Indikation
Indiziert ist die Schiene bei beginnender oder bereits vorhandener Ulnardeviation der Langfinger bei Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis, insbesondere bei rheumatoide Arthritis ab Stadium II/III. Ziel ist nicht nur die Korrektur der Fingerstellung, sondern vor allem die Unterstützung funktioneller Handbewegungen im Alltag.
Ziele der Versorgung
Die Schiene verfolgt mehrere Ziele: Sie soll eine Ulnardeviation durch Abduktion und Stellungskorrektur verhindern bzw. reduzieren und die MCP-Gelenke unterstützen. Damit dient sie als äußeres Kompensationsmittel zum Erhalt handschließender Funktionen, insbesondere kräftiger Greifformen wie Zylinder- und Hammergriff (kurz: Kraftgriffe). Zusätzlich soll sie Überdehnungen von Gelenkstrukturen, Muskulatur und Sehnen verhindern, Kontrakturen und Atrophien vorbeugen, die Funktionsstellung erhalten und Schmerzen reduzieren.
Anforderungen an die Schiene
Damit die Versorgung akzeptiert und im Alltag genutzt wird, muss sie wichtige Kriterien erfüllen: physiologische Wölbungen berücksichtigen, Beweglichkeit respektieren, intakte Muskulatur nicht behindern und typische Greifbewegungen möglichst wenig einschränken. Gleichzeitig gilt der Grundsatz: maximale Mobilität bei optimaler Stabilität. Außerdem darf sie keine Zirkulationsstörungen verursachen, soll leicht sein, bequem zu tragen, gut aussehen und sich schnell herstellen sowie unkompliziert nachbearbeiten lassen.
Patientenaufklärung und Tragehinweise
Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die Anleitung: Patientinnen und Patienten sollten Sinn und Zweck der Schiene verstehen, den richtigen Tragezeitpunkt und die Tragedauer kennen und das An- und Ablegen sicher beherrschen. Wichtig ist die regelmäßige Kontrolle der Haut, um Druckstellen früh zu erkennen. Außerdem muss klar sein: Bei Veränderungen an Hand oder Schiene soll der behandelnde Arzt oder Therapeut informiert werden. Ebenso wichtig sind regelmäßige Schienenpausen mit Automobilisation der Hand und angrenzender Gelenke sowie Hinweise zur Reinigung (z. B. Seifenlauge, weiche Bürste). Da es sich um ein thermoplastisches Material handelt, darf die Schiene nicht in der Sonne oder auf der Heizung liegen (Verformungsgefahr).
Anfertigung: Arbeitsplatz, Werkzeug und Material
Für die Herstellung wird ein gut organisierter Arbeitsplatz empfohlen: idealerweise höhenverstellbarer Tisch/Liege und Stühle für eine optimale Lagerung der Hand. Das Heißwasserbecken sollte in unmittelbarer Nähe stehen, um lange Wege zwischen Erwärmung und Anpassung zu vermeiden. Als Arbeitsmittel werden u. a. Papier, Bleistift, Schere, Mustervorlagen in verschiedenen Größen, Kajalstift/Ahle, Klebeband und spezielle Scheren genannt; optional auch Heißluftpistole oder Heißklebepistole. Als Material dient Thermoplast, beispielhaft Polyform.
Arbeitsablauf und Anpassung
Aus Mustervorlagen wird die passende Größe ausgewählt und auf das Material übertragen. Für den Grobschnitt kann die Schnittlinie vorgewärmt werden. Danach wird das Material im Heißwasserbad (bei Polyform ca. 70 °C) erwärmt und exakt zugeschnitten; vor dem Anpassen wird es bei Bedarf erneut erwärmt, bis es weich und formbar ist. Während der Anpassung sitzt der Patient seitlich am Tisch, der Ellbogen ist abgestützt. Beim Anlegen ist entscheidend, die Finger aus der Ulnadeviation in eine korrigierte Stellung zu führen und die MCP-Region zu unterstützen, um einer Subluxation entgegenzuwirken.
Kantenbearbeitung und Nachversorgung
Sitzt die Schiene korrekt, werden Ränder und Ecken abgerundet, um Druckstellen zu vermeiden. Dazu werden die entsprechenden Bereiche punktuell im heißen Wasser oder mit Heißluft erwärmt und nachgeformt. Für die Nachversorgung wird empfohlen, die Schiene idealerweise noch vor Ort etwa 30 Minuten tragen zu lassen, damit mögliche Druckpunkte sofort korrigiert werden können. Da Druckstellen, Ödeme oder Hautunverträglichkeiten auch erst später auftreten, sind regelmäßige Kontrollen wichtig. Nachträgliche Anpassungen erfolgen durch erneutes Erwärmen und Modellieren der betroffenen Bereiche.
