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Gelenkschonendes Arbeiten in der Handtherapie

Physiotherapeutin untersucht das Handgelenk eines Patienten in einer hellen Praxis mit Behandlungsliege und Anatomie-Poster im Hintergrund
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Gelenkschonendes Arbeiten in der Handtherapie: Wie wir unsere eigenen Hände schützen können

Ich liebe meinen Beruf, aber ich weiß nicht, wie lange ich diesen durchhalte.“

Diesen Satz hört man unter Ergotherapeutinnen und Handtherapeutinnen immer wieder.

Er bringt ein Problem auf den Punkt, das in unserer Berufsgruppe weit verbreitet ist:
Die eigenen Hände leiden unter der täglichen Arbeit.

Handtherapie ist Handarbeit

Kompression, Traktion, 3D-Mobilisation, detonisierende Techniken, Narbenbehandlung – die handtherapeutische Praxis lebt von manuellen Techniken.

Dabei werden nicht nur kleine Fingergelenke, sondern auch große, kraftfordernde Bereiche behandelt.

Wer über Jahre hinweg in unphysiologischen Fingerstellungen und Körperhaltungen arbeitet, riskiert selbst gesundheitliche Folgen:
Arthrosen in den distalen Interphalangealgelenken des Zeigefingers, Rhizarthrose, Karpaltunnelsyndrom, Sulcus-ulnaris-Syndrom sowie Schmerzen in Rücken, Schulter und Handgelenk sind keine Seltenheit unter Kolleg*innen.

Kein Patentrezept, aber gute Prinzipien

Jeder Mensch bringt individuelle körperliche Voraussetzungen mit – unterschiedliche Körpergrößen, Handgrößen und auch die Patientinnen selbst variieren stark.

Deshalb gibt es keine exakte Gebrauchsanweisung für gelenkschonendes Arbeiten, wohl aber bewährte Empfehlungen, die sich aus der Gelenkschutzberatung für Rheumapatientinnen ableiten lassen:

  • Große Gelenke nutzen statt kleine Gelenke zu überlasten

  • Kraft sparen, wo immer möglich

  • In geraden Achsen arbeiten

  • Belastungen verteilen

  • Hilfsmittel einsetzen

Praktische Tipps für den Arbeitsalltag

  • Arbeitsplatz ergonomisch gestalten:

    Die Tischhöhe sollte individuell angepasst werden, um eine aufrechte Sitzhaltung zu ermöglichen.

    Ein einfacher Trick:
    Mit den Oberschenkeln ein „V“ bilden und das Becken aufrichten – die Wirbelsäule richtet sich dabei automatisch mit auf (Zahnradmodell).

    Auch Hilfsmittel wie Keilkissen, Ballkissen oder lehnenfreie Hocker können unterstützen.

  • Zwischen Sitzen und Stehen wechseln:

    Wird beispielsweise die Behandlungsliege genutzt, kann sie auf Stehhöhe eingestellt werden.

    Auch organisatorische Aufgaben wie Telefonate oder Dokumentation lassen sich im Stehen erledigen.

  • Achsengerecht aus dem ganzen Körper arbeiten:

    Bei kraftaufwendigen Techniken – etwa der Mobilisation der Scapula – hilft eine Schrittstellung, um Kraft nicht nur aus den Armen, sondern auch aus den Beinen zu holen.

    Das entlastet den Schulter-Nacken-Bereich spürbar.

  • Fingergelenke gezielt schützen:

    Bei Triggerpunktbehandlungen oder Querdehnungen lässt sich der Zeigefinger mit dem Mittelfinger stützen, um eine dauerhafte Überstreckung des DIP-Gelenks und damit Knorpelschäden zu vermeiden.

    Auch der Daumeneinsatz sollte achsengerecht und radial statt vertikal erfolgen, um die Thenarmuskulatur zu nutzen.

  • Hilfsmittel einsetzen:

    Werkzeuge wie der „Therapeuten-Daumen“ (ein Massagewerkzeug aus Kunststoff) oder eine Stiftverdickung für den Narbenstick können die eigenen Gelenke gezielt entlasten.

Eigenbehandlung in die Therapie integrieren

Ein oft unterschätzter Ansatz: Übungen gemeinsam mit den Patient*innen durchführen.

Ein gezieltes Handkrafttraining stärkt nicht nur die therapeutische Beziehung, sondern trainiert gleichzeitig die eigene Handkraft.

Ergänzend empfiehlt sich Rumpf- und Ganzkörpertraining, etwa mit Theraband und leichten Gewichten, sowie neurodynamische Dehnübungen für die eigene strukturelle Entspannung.

Unser Körper – das wichtigste Therapiemittel

Der Kerngedanke bleibt: Unser Körper und unser Geist sind die wichtigsten Werkzeuge unseres Berufs.

Wer sie schützt, kann seinen Beruf langfristig gesund und mit Freude ausüben.

Ein ergonomisch gestalteter Arbeitsplatz, achsengerechtes Arbeiten, durchdachte Grifftechniken, der gezielte Einsatz von Hilfsmitteln sowie regelmäßiger muskulärer Ausgleich sind dabei keine Extras, sondern notwendige Bestandteile eines nachhaltigen Berufslebens in der Handtherapie.


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